Die heutige Kirche in Bürvenich (Patrozinium Stephani Auffindung 3. August) war mit einem Zisterzienserinnenkloster verbunden. Die angebliche Stifterin ist die ehrwürdige Elisabeth, Gräfin von Jülich...

Die heutige Kirche in Bürvenich (Patrozinium Stephani Auffindung 3. August) war mit einem Zisterzienserinnenkloster verbunden. Die angebliche Stifterin ist die ehrwürdige Elisabeth, Gräfin von Jülich, deren Fest noch 1663 im Kloster am 14. November gefeiert wurde. Bis zu zehn Chorschwestern lebten im Kloster. Gewisse Parallelen gibt es zum benachbarten Zisterzienserinnenkloster Hoven. Nachdem 1673 der Klosterhof durch französische Soldaten eingeäschert worden war, erfolgte Mitte des 18. Jahrhunderts ein barocker Neubau, der im äußeren Erscheinungsbild heute noch erhalten ist.

1808 verkaufte die Regierung den Klosterhof, die Kirche wurde wieder Pfarrkiche, ein Teil des Klosters dient seither als Pastorat, ein anderer Teil wurde Schulhaus, in jüngster Zeit an Privatleute veräußert. Die Kirche ist ein einschiffiger romanischer Bau aus dem Jahre 1260. Sie besteht aus einem rd. 36 m langen und fast 10 m breiten Saal und quadratischem Westturm.

An der Nordseite lag die Klausur, so daß die Kirche hier völlig fensterlos ist. An der Nordseite des Chores befindet sich ein vorzüglich erhaltenes Sakramentshäuschen in Stein mit Stifterwappen und Datierung 1453, ebenfalls an dieser Seite des Chores ein kleines Vesperbild um 1500 mit freigelegter ursprünglicher Fassung. Am Triumphbogen zum Kirchenschiff hin sind zwei unterlebensgroße farbig gefaßte Barockstatuen aus Holz aufgestellt: Rechts der Kirchenpatron St. Stephanus im Diakonornat mit Märtyrerpalme, links der zweite Kirchenpatron Papst Urban (Weinpatrozinium).

Im 19. Jahrhundert erhielt die Kirche eine einheitliche Bestuhlung mit geschnitzter Emporenbrüstung und Orgelgehäuse aus Eiche für das kostbare Orgelwerk (1867-70) des in seiner Zeit hoch angesehenen Kölner Orgelbauers Franz Wilhelm Sonrek. Vier Glocken (1549, 1663,1787, 1788, zwei von Legros) bilden das Geläute, welches alle Zeitwirren überdauerte. Größter Schatz der Kirche ist ein sogenannter Antwerpener Schnitzaltar, der dem Meister von Linnich (bei Jülich) zugeschrieben wird, der 1891 nach St. Gereon in Köln verkauft, von Pfarrer Heinrich Zimmermann 1955 zurück erworben werden konnte.

Der Schnitzaltar (Eiche farbig gefaßt) zeigt Szenen aus´dem Leben Christi und Mariens. Die Malereien der Flügelinnenseitengreifen die Themen der Passion auf: Gefangennahme am Ölberg, Verhör vor Pilatus, Grablegung und Auferstehung. Die kleineren Klappen im oberen Teil ergänzen den Passionszyklus: Ecce Homo links, der Auferstandene erscheint seiner Mutter rechts. Geschlossen zeigt der Altar in der Mitte die im späten Mittelalter beliebte Darstellung der Gregoriusmesse und außen die alttestamentlichen Hinweise auf das Altarsakrament: links Abraham begegnet Melchisedek, rechts die Mannalese.

Die kleinen Klappen oben zeigen die sogenannten Arma Christi. Die Predella wurde nach niederländischem Vorbild im 19. Jh. ergänzt: Christus als Schmerzensmann zwischen Maria und Johannes. Die Wallfahrt an Christi Himmelfahrt zum Grab des hl. Matthias nach Trier ist inzwischen zu einer guten Tradition geworden. Die Kirche mit ihrer wertvollen Innenausstattung ist den Besuchern täglich geöffnet.

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