In unserer Gegend und nachweislich auch in Sinzenich siedelten sich vor etwa 3000 Jahren die Kelten an.

Sie wurden ungefähr zu Beginn unserer Zeitrechnung – also um Christi Geburt herum – von den Römern besiegt und vertrieben. Bei verschiedenen Restaurierungsarbeiten an unserer Kirche stellte man fest, dass diese auf den Fundamenten eines römischen Landhauses steht, welches dem Sentinius gehörte. Nach einer ruhigen Zeit unter römischer Verwaltung nahmen rund 400 Jahre später die Germanen (Franken und Alemannen) das Gebiet in Besitz. Etwa vom Jahre 500 n. Chr. an gehörte Sinzenich zum Frankenreich, das 768 von Karl “dem Großen” übernommen wurde. Die erste (bekannte) Erwähnung des Ortes Sinzenich findet sich in einer Urkunde von Otto I. aus dem Jahre 948.

In dieser Zeit wurde Sinzenich ein Fronhof, der ab 1084 dem Stift St. Kunibert und spätestens ab 1241 dem Stift St. Maria im Kapitol in Köln gehörte. Schon 1031 hatte Sinzenich eine eigene Kirche, die im Laufe ihrer wechselvollen Geschichte unter verschiedenen Obrigkeiten vergrößert, verschönert und ausgeschmückt wurde. Sie ist als eines der ältesten Bauwerke im Rheinland mit unschätzbaren historischen und künstlerischen Werten ausgestattet und gibt immer wieder neue geschichtliche Funde frei. In jüngster Zeit waren es mehrere Grabstätten aus dem 11.-13. Jahrhundert. Seit 1986 steht die Kirche unter Denkmalschutz. Nach der Burg Sinzenich nannte sich ein Rittergeschlecht, das schon im 13. Jahrhundert vorkam. Seit 1500 war Sinzenich eine Unterherrschaft im Herzogtum Jülich.

Die Besitzer der Burg wechselten durch Erbschaft und Heirat oft, bis die gesamte Anlage 1895 vom Blitz getroffen und durch das anschließende Feuer eingeäschert wurde. Aus den Burgresten entstand 1976 ein privates Wohnhaus. Noch im Mittelalter, das wie überall Not und Elend durch Pest, Brände, Kriege, Hungersnöte und religiösen Wahn auch hierhin brachte, entstanden die wunderschönen und charakteristischen Fachwerkhäuser, die unser Dorf heute noch zieren. Ein Kloster - neben der alten Schule am Friedhof - wurde im 15. Jahrhundert von Ritter Jordan Muyl von Seintzich gestiftet und in Folge von Franziskanern und später von Nonnen aus Mariaweiler bewohnt. Heute noch ist ein Teil davon (Wiederaufbau nach Brand im 18. Jahrhundert) als Wohnhaus erhalten. Schon um 1600 wurde in Sinzenich Schule gehalten.

Das umseitig abgebildete Schulgebäude (1867) wurde 1955 durch ein neues auf der Gartenstraße ersetzt und endlich 1997 erweitert, so dass jetzt - an der zwei- bis dreizügigen Grundschule - alle Kinder aus dem Einzugsgebiet (Sinzenich, Bürvenich, Eppenich, Merzenich, Langendorf, Linzenich, Lövenich, Schwerfen, Virnich und Irnich) in einem Schulort unterrichtet werden können. Zu Beginn der industriellen Entwicklung im frühen 19. Jahrhundert fanden die Leute – neben der Landwirtschaft – in den 8 ortsansässigen Tuchherstellungsbetrieben Arbeit. Aus einer dieser Tuchfabriken wurde über eine Wollspinnerei und eine Strohpapierfabrik die Papierfabrik Sinzenich, die als Zweigstelle eines großen Unternehmens auch heute noch in Betrieb ist und Altpapier wiederaufarbeitet. Noch vor dem ersten Weltkrieg ermöglichte eine Schenkung des Blindenlehrers Peter Hett die Errichtung des “St. Anna-Hauses”, das von Anfang an für die verschiedensten sozialen Aufgaben genutzt wurde. Heute ist es - als Zweigstelle des Hovener Klosters - ein Alten- und Pflegeheim. Außerdem schenkte Peter Hett der Gemeinde die Marienkapelle auf dem Eulenberg, unser allseits beliebtes “Kapellchen”.

Es ist mit der daneben stehenden Kiefer auch ein Wahrzeichen von Sinzenich, in dem schon so mancher Trost und neuen Mut gefunden hat. Die beiden Weltkriege trafen auch die Sinzenicher Bevölkerung schwer. Von den Gefallenen kündet das Kriegerdenkmal auf dem Sand. Durch die nationalsozialistische Schreckensherrschaft wurden die jüdischen Familien, die schon weit über 100 Jahre hier lebten, aus Sinzenich vertrieben. Heute zeugt nur noch der “Judenfriedhof” an der Gartenstraße von ihrer Anwesenheit. Betrachtet man heute die alten Bilder, so kann man sehen, wie rasant die Entwicklung unseres Dorfes in den letzten 100 Jahren fortgeschritten ist, egal ob es sich um Bautätigkeiten, neue Existenzgründungen oder das Vereinsleben handelt. Durch die kommunale Neuordnung des Kreises Euskirchen (1969) gehört Sinzenich zur Gesamtstadt Zülpich. Sinzenich ist heute ein “weltoffenes und modernes Dorf” mit einer guten und ausgewogenen Infrastruktur.

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